Die Angebote von EduFarm sind online!
EduFarm zeigt, wie Ernährung innerhalb der planetaren Grenzen gelingt.
Die Landwirtschaft, wie wir sie heute weltweit betreiben, ist einer der größten Treiber der ökologischen Krise: Sie verantwortet den Großteil der globalen Entwaldung, entzieht Böden schneller ihrer Substanz, als dass sich diese erneuern kann, ist für über 70% des globalen Süßwasserverbrauchs verantwortlich und hat binnen weniger Jahrzehnte einen dramatischen Rückgang der Artenvielfalt ausgelöst. Damit untergräbt sie genau die Grundlage, die sie selbst zum Überleben braucht — unsere Ernährungssicherheit gerät zunehmend in Gefahr. Außerdem ist die konventionelle Landwirtschaft anfällig für die Auswirkungen der Klimakrise und Preisschocks eines globalisierten Handelssystems. Wir glauben, dass die Antwort auf den drohenden großflächigen Ökosystemkollaps nicht in ferner Zukunft liegt, sondern jetzt umgesetzt werden muss. Es ist dringend.
Wir müssen als Gesellschaft nicht nur klimaneutral werden, sondern das Klima reparieren — sprich, der Atmosphäre mehr CO2 entziehen, als wir ausstoßen. Wir müssen Böden und Wasserkreislauf regenerieren und vor allem die Artenvielfalt fördern — denn intakte Ökosysteme sind die Basis all unserer Lebensgrundlagen. Für die Landwirtschaft heißt das: weg von einem System, das auf “günstigen” fossilen Brennstoffen und externalisierten Umweltkosten beruht, in dem konventionell erzeugte Lebensmittel durch Subventionen und unbezahlte ökologische Folgekosten künstlich billig bleiben, hin zu Methoden, die zunächst mehr Wissen und höhere Anfangsinvestitionen erfordern, aber die Ernährung der Zukunft ermöglichen.
EduFarm ist als Blaupause gedacht: Alles was wir tun, zielt darauf ab, durch regenerative Landwirtschaft das Klima zu reparieren, die Artenvielfalt zu fördern und im Einklang mit den planetaren Grenzen zu handeln. Indem wir alternative Lösungen zu leicht kopierbaren Konzepten kombinieren, beweisen wir: Ein gutes Leben innerhalb dieser Grenzen funktioniert auch ökonomisch. Genau hier liegt unser Hebel – EduFarm ist nicht nur ein einzelner Hof, sondern ein skalierbares Modellkonzept für die Ernährung der Zukunft.
Daher entsteht auf unserer Fläche in Brandenburg ein regeneratives und resilientes Gesamtsystem. Gemüse wächst in Agroforstsystemen und Gewächshäusern und gelangt ohne Zwischenhändler als Abo-Kiste direkt zu den Menschen. Ein Waldgarten lädt zur Selbsternte ein, eine Baumschule zieht Bäume und Sträucher heran, die zu den Brandenburger Bedingungen passen. Sechs Gebäude bilden das gemeinschaftliche Zentrum von EduFarm, das Landwirtschaft und Alltag zusammenbringt: fünf davon mit Nutzungsrechten für Wohnraum, dazu Gästebeherbergung, ein Farm-to-Table-Restaurant und Räume für kulturelle Veranstaltungen und Workshops zum Wissensaustausch.
„Edu“ steht für Education. Wir kommen als Gemeinschaft schneller voran, wenn wir Erfahrungen teilen, voneinander lernen und neue Lösungen gemeinsam entwickeln.
Deshalb ist für uns neben dem Anbau auch die Förderung von Gemeinschaft zentral – sowohl innerhalb als auch außerhalb von EduFarm. Wir stehen im engen Austausch mit Solidarischen Landwirtschaften (Solawis), Ökodörfern und anderen Projekten der regenerativen Landwirtschaft. Gemeinsam sammeln wir Praxiserfahrungen, tauschen sie aus und entwickeln sie weiter. Wir sind überzeugt, dass genau diese gelebte Zusammenarbeit unsere Landwirtschaft widerstandsfähiger macht.
EduFarm versteht sich zugleich als Erprobungsort für wissenschaftliche Erkenntnisse und nachhaltige Innovationen – etwa biologisch abbaubare Mulchfolien als Alternative zu Plastik, natürliche und naturnahe Wasseraufbereitung für eine effektive Wiedernutzung von Regen- und Grauwasser und die ausschließliche Nutzung von regenerativer Energie. Anstatt jede Lösung selbst zu entwickeln, arbeiten wir gezielt mit Universitäten, Forschungsinstituten und Start-ups aus dem Nachhaltigkeitsbereich zusammen. Viele von ihnen entwickeln vielversprechende Ansätze, brauchen jedoch einen Ort, an dem diese unter realen Bedingungen erprobt werden können. So entsteht ein Raum, in dem Forschung und Praxis voneinander profitieren und nachhaltige Ideen ihren Weg in die Anwendung finden.
Nachhaltige Transformation bedeutet dabei nicht, für jede Herausforderung bereits die perfekte Antwort zu haben. Sie bedeutet, Zielkonflikte sichtbar zu machen und verantwortungsvoll mit ihnen umzugehen. Wir möchten offen zeigen, wie wir Entscheidungen treffen, damit andere unsere Überlegungen nachvollziehen, daraus Anregungen mitnehmen oder eigene Erfahrungen einbringen können.
Ein Beispiel ist der Einsatz von Plastik im Gemüsebau. Von Mulchfolien bis zu Verpackungen ist es in der Landwirtschaft allgegenwärtig. Bei EduFarm verzichten wir weitestgehend darauf und suchen kontinuierlich nach praktikablen Alternativen. Wo uns das – häufig weil geeignete Materialien noch fehlen – noch nicht gelingt, machen wir diese Kompromisse transparent, etwa über Social Media oder unseren Newsletter.
Alles, was wir auf diesem Weg lernen, dokumentieren und teilen wir öffentlich – etwa über ein Wiki –, damit andere direkt auf unseren Erfahrungen aufbauen können.
Beispielmaßnahmen, mit denen wir die planetaren Grenzen respektieren und reparieren. (Abbildung modifiziert nach Richardson et al. (2023))
„Farm" steht für regenerative Landwirtschaft innerhalb der planetaren Grenzen. Wir setzen bewusst auf Effizienz statt Verbrauch.
EduFarm wirkt regional. Unsere Lebensmittel legen kurze Wege zurück, statt über tausende Kilometer globaler Lieferketten zu reisen, die von Ölpreisen, Exportbeschränkungen und geopolitischen Krisen abhängen. Damit stärken wir die Nahrungssicherheit unserer Region: Je mehr Menschen sich aus robusten, lokalen Systemen wie EduFarm versorgen können, desto weniger verwundbar ist die Versorgung insgesamt gegenüber globalen Schocks — seien es Ernteausfälle durch Extremwetter anderswo, unterbrochene Lieferketten oder Preisspitzen auf den Weltmärkten.
Darüber hinaus ermutigen und befähigen wir Menschen, selbst Nahrung anzubauen, etwa durch Urban Gardening — mit Workshops, die das dafür nötige Wissen vermitteln. Denn Ernährungssicherheit entsteht nicht nur durch robuste Versorgungssysteme, sondern auch durch dezentrale Lebensmittelproduktion und das Wissen, selbst Nahrung anbauen zu können. Beides erhöht die Widerstandsfähigkeit gegenüber globalen Krisen: vielfältige regionale Strukturen machen die Versorgung weniger anfällig, während die Fähigkeit zum Eigenanbau Menschen mehr Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit vermittelt.
Mittel- bis langfristig soll EduFarm so zu einem verlässlichen Baustein regionaler Resilienz werden — ein Modell, das nicht nur ökologisch, sondern auch versorgungstechnisch beweist, dass die Zukunft der Ernährung lokal gedacht werden kann.
Wir wirtschaften bewusst, besonders in der Aufbauphase, innerhalb des bestehenden Wirtschaftssystems — nicht, weil wir es für die Lösung halten vor dem Hintergrund schwindender Ressourcen, sondern weil wir den Anspruch an wirtschaftliche Tragfähigkeit für unser regeneratives Modell haben: EduFarm soll keine Verluste erwirtschaften. Dabei lehnen wir Profitmaximierung als Selbstzweck ab: Unsere Investor:innen erhalten eine moderate, angemessene Rendite auf ihr eingesetztes Kapital. Alles, was darüber hinaus erwirtschaftet wird, fließt nicht in maximalen Gewinn, sondern in Rücklagen für schwierige Zeiten und/oder wird an die Menschen ausgezahlt, die hier arbeiten.
Damit EduFarm entstehen kann, suchen wir verschiedene Finanzierungswege und Ermöglicher:innen: Menschen, die die Anfangsinvestition mittragen und uns damit zwei entscheidende Dinge geben: Erstens die Unabhängigkeit von den internationalen Finanzmärkten, was uns krisenresilienter macht. Und zweitens die Geschwindigkeit, die die Zeit, in der wir leben, von uns verlangt. Denn in einer Welt, deren Klima zunehmend aus den Fugen gerät, ist Zeit die knappste Ressource, die wir haben. Unsere Ermöglicher:innen sind nicht nur Geldgeber:innen — sie werden Teil dieses Ortes und erhalten dafür langfristigen Zugang zur Produktpalette von EduFarm.
EduFarm ist kein Rückzugsort von der Welt, sondern ein Vorgriff auf sie: ein Ort, der zeigt, dass Ernährung, Wohnen und Wirtschaften innerhalb planetarer Grenzen nicht nur möglich, sondern zukunftssicher sind.